Vermeide diese 6 Hilfestellungen, bei der motorischen Entwicklung deines Kindes.

Klein Emily liegt auf dem Bauch, sie spielt vergnügt.

motorische Entwicklung deines KindesDa rollt ihr das Spielzeug weg. 

Sie schreit und kreischt. 

Emilys Papa springt auf und reicht es ihr.

Emily braucht sich nicht zu bewegen, denn sie lernt, wenn ihr Spielzeug wegrollt und sie kreischt und schreit, bringt Papa das Spielzeug zurück.

Erst wenn ihr Papa sie ermutigt, das Spielzeug selbst zu holen, oder er mit etwas anderem beschäftigt ist, wird Emily versuchen das Spielzeug selbst zu erreichen.

Natürlich geht das dann nur unter lautem Protest, aber Schluss endlich wird sie es schaffen, und der Körper belohnt sie mit Glücksgefühle.

Möchtest du deinem Kind dieses Glücksgefühl verweigern, oder möchtest du, dass es deinem Kind gut geht?

Vermeide folgende Hilfestellungen:

Eingriff in die motorische Entwicklung Nr. 1:

Du drehst dein Kind auf den Bauch.

Die Rückenlage ist die beste Lage, in der du dein Kind nach Geburt bringen kannst. Das ist der Einstieg in die selbstbestimmte motorische Bewegung.

Die Rückenlage ist der Bauchlage vorzuziehen. In der Bauchlage kann dein Kind kaum sehen was um es rum passiert. Es hört dann Geräusche, aber sieht nichts.

Die Wirbelsäule ist am Anfang noch C-förmig gekrümmt, so dass es dem Säugling schwerfällt, auf dem Rücken zu liegen.

5-10 min reichen am Anfang aus. Manche Kinder kommen erst nach drei-vier Monaten, sicher auf dem Rücken an.

Lass dein Kind in der Rückenlage liegen und warte ab, bis es selbst anfängt seine Position zu wechseln und die Bauchlage für sich entdeckt.

Eingriff in die Motorische Entwicklung Nr. 2: 

Du bringst dein Kind in eine sitzende Position.

Wenn du  dein Kind in eine sitzende Position bringst, mit einem Kissen im Rücken, links und rechts abstützend oder unterstützend, hat das gravierende Nachteile für die Sitzqualität deines Kindes.

Außerdem ist es deinem Kind nicht möglich, sich aus dieser Position zu befreien. Der Körper weiß nicht, wie es dahin gekommen ist, somit weiß der Körper nicht, wie er sich daraus befreien kann.

Dein Kind findet diese Position am Anfang toll, verharrt allerdings zu lange darin und muss sich sehr anstrengen das Gleichgewicht zu halten.

Dein Kind lernt: Sitzen ist Anstrengend.

Anna Tardos hat herausgefunden, dass ein Kleinkind seine Position alle zwei Minuten verändert. Das finde ich sehr bemerkenswert.

Lass dein Kind liegen und warte ab, bis es selbst soweit ist, das Sitzen zu lernen. Unterstützend sitzen auf dem Arm / Schoss ist in Ordnung , wenn das Gewicht des Köpfchens nicht auf der Wirbelsäule deines Kindes lastet. z.B beim Füttern.

Eingriff in die Motorische Entwicklung Nr. 3:

Du führst dein Kind zum Laufen an den Händen.

Bevor dein Kind selbst das Laufen gelernt hat. Sich selbst aufgerichtet hat. Sich an Regalen seitlich entlanggeführt hat.

Du bestimmst über das Gleichgewicht deines Kindes. Es hat keine Chance es selbst du lernen. Dein Kind wird auch beim Fallen immer nach deiner Hand greifen und lange nicht lernen, sich mit den Händen abzufangen.

Dein Kind bleibt am Anfang, nachdem es Hingefallen ist, am Boden sitzen, weil es noch nicht gelernt hat, selbstständig aufzustehen.

Das Wichtigste ist, dein Kind hat Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Denn du hast es ihm am Anfang abgenommen es finden zu können.

Hab Geduld und lass dein Kind krabbeln, hetze es nicht, und lass deinem Kind Zeit, laufen zu lernen. Laufen lernen ist abhängig von der Entwicklungsstufe deines Kindes.

Wichtig ist: Gib deinem Kind genügend Zeit. Wenn es bereit ist, wird es laufen.

Eingriff in die Motorische Entwicklung Nr. 4:

Du trainierst deinem Kind das Herunterklettern kopfüber ab.

Dein Kind sollte mit kleinen Höhenunterschiede beginnen dürfen, um Höhe einschätzen zu lernen. Die Augen deines Kindes liegen im Kopf, deshalb muss der Kopf voraus. Es ist ein natürliches Bedürfnis.

Bei geringen Höhen ist die Verletzungsgefahr gering. Und dein Kind kann lernen, was Höhenunterschied bedeutet.

Trainierst du deinem Kind das Herunterklettern kopfüber ab, entwickelt sich keinerlei Bewusstsein für die Höhen bei deinem Kind.

Von einem Sofa herunterzuklettern, ist am Anfang viel zu hoch. Deshalb wirst du nun erwidern, ich muss meinem Kind das so beibringen, weil es sich sonst verletzt.

Wenn dein Kind allerdings gelernt hat, mit Höhenunterschiede umzugehen. Erst bei kleinen Höhen und somit fallen lernen durfte, wird es bei einer zu großen Entfernung zum Boden, die Höhe besser einschätzen können und sich automatisch umdrehen.

Biete deinem Kind kleine Höhenunterschiede an, damit es sich austesten kann. Polster oder Kissen sind am Anfang ausreichend.

Eingriff in die Motorische Entwicklung Nr. 5:

Du setzt dein Kind auf Geräte, die es noch nicht selbstständig erklimmen kann.

wie Rutschen, Schaukeln Laufräder oder Fahrräder. Dein Kind ist erst bereit von einer Rutsche zu rutschen, wenn es gelernt hat, die Stufen hochzuklettern. Dein Kind wird abhängig von deinem Dazutun.

Es lernt das Gleichgewicht besser zu halten, wenn es erst mal auf dem Bauch schaukeln darf. Selbstbestimmt. 

Bei Laufräder oder Fahrrädern sollte viel Zeit eingeplant werden, und dass auch völlig ohne Druck und Hilfen.

Wenn dein Kind allein gelernt hat, zu rutschen schaukeln oder auch zu fahren, wird es das ohne deine Hilfe tun. Selbstständig.

Eingriff in die Motorische Entwicklung Nr. 6:

Du motivierst dein Kind und leitest es bei motorischen Gegebenheiten an.

Erkläre deinem Kind keine motorischen Abläufe, du bringst es um den Spass und um die Glücksgefühle, es selbst heraus zu finden.

z.B Stell dein Bein hier hin, leg dein Fuss so und die Hand hier, dann kommst du hoch.

Wenn es klappt, ist das Glücksgefühl und die Motivation nicht all zu hoch. Denn bei der nächsten Gelegenheit, wenn dein Kind nicht mehr weiterkommt, wird es wieder auf Anweisungen warten, und es nicht allein ausprobieren. 

Diese Anweisungen sind starr und unflexibel. Es gibt somit nur diesen einen Weg.

Beiss dir auf die Zunge und lass dein Kind selbst experimentieren.

„Komm rüber zur Mama, na komm, Mama ist ganz traurig, wenn du nicht kommst“. Und das Kind probiert zu laufen, schafft es nicht, aber der Drang Mama zu gefallen, ist größer, als die Fähigkeit zu laufen.

und es fällt.

Solche Art von Anweisungen sind für dein Kind nicht motivierend. Sondern sie schaffen eine verzwickte Situation. Es möchte dir gefallen, und versucht Dinge, die es noch gar nicht richtig beherrscht. 

Bei Missgelingen, wird dein Kind frustrierter, versucht es vielleicht noch verbissener und scheitert wieder.

Beiss dir auf die Zunge und lass dein Kind selbst experimentieren.

Warum ist die Einmischung in die motorische Entwicklung deines Kindes schädlich?

Das Gehirn bildet in der frühkindlichen Entwicklung unzählige Nervenbahnen, die durch ständige Bewegungen fester verknüpft werden. Dein Kind kann durch Hinsetzen, oder an den Händen führen, die Zusammenhänge der Bewegungen nicht erkennen, es ist auf deine Hilfe angewiesen.

Es lernt Abhängigkeit.

Dein Kind ist abhängig von deinem Gutwillen. Das du es hinsetzt, oder das du es an den Händen führst. Aber wenn du mal keine Zeit hast, was dann. Es schreit und weint voller Verzweiflung, weil es sich nicht selbst helfen kann.

Werden bestimmte Bewegungen nicht oder nur selten ausgeführt, destabilisieren sich die anfänglich bereitgestellten Verknüpfungen: Sie verkümmern und dein Kind lernt diese eine spezielle Bewegung nicht oder nur unzureichend.

Kinder, die diese Hilfen niemals bekommen haben, wenden sich schnell anderen Dingen zu, die sie alleine bewältigen können, sind weniger frustriert.

Dein Kind wird über viele kleine Bewegungsmuster ohne Eile und ohne etwas auszulassen kontinuierlich im eigenem Tempo bis zum Laufen lernen sich weiterentwickeln. Und das ganz ohne deine Hilfestellungen. (nach Emmi Pikler)

Jedes Kind kommt mit einem angeborenen Drang, sich weiterzuentwickeln und zu lernen auf die Welt.

Alles was es von dir braucht sind: liebevolle Zuwendung, freundliche Ansprache, Nahrung, Kleidung und Schlaf.

Den Rest jedoch, das macht dein Kind von ganz allein!

 

„Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung das wichtigste ist.“

Emmi Pikler

Weiterführende Literatur von Anna Tardos: Lasst mir Zeit

 

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